Alles in allem

Liebe Freunde und Freundinnen der Postkunst, wir wünschen euch angenehme Feiertage und einen guten Jahresausklang. Ein volles, sattes Jahr neigt sich dem Ende. Und ein frisches Jahr mit blütenreiner Weste (und schon ist es geschehen, die ersten kreativen Kleckse sprenkeln es bereits) und sehr vielen Möglichkeiten, Geschichten und künstlerischen Projekten liegt vor uns.
Wir bedanken uns für eure rege Anteilnahme bei den Postkunst-Aktionen! Danke für den Austausch per Kommentar, Mail, Sonderpost und sogar per Echtzeittreff. Und ein herzliches Danke unseren Abo-Teilnehmerinnen! Wir freuen uns sehr darüber, dass uns einige von euch finanziell unterstützen. Im neuen Jahr werdet ihr, wenn die Zeit reif ist, Post von uns erhalten.
Lasst es euch gut gehen!
Eure Michaela und Tabea

Kreative Lektüre – Handbuch Handlettering von Chris Campe

Heute beginnen wir unsere Reihe »Kreative Lektüre«. Die Idee dazu hatten wir schon länger und nahm nach diesem Post zum Thema Brush Lettering konkrete Gestalt an.

Das »Handbuch Handlettering« von Chris Campe ist im Frühjahr 2017 im Haupt Verlag erschienen: 160 Seiten – 23,8 x 26,6 cm – reich bebildert – 29,90 Euro

»Es geht darum, sich mit der Idee illustrativer Schrift vertraut zu machen und Schrift als erzählerisches Bild zu behandeln.«

Das Handbuch Handlettering fasst sich mit diesem Satz auf Seite 88 selbst zusammen. Statt mit optimierter Computerschrift zu visualisieren, zeichnet man beim Handlettering einzigartige Buchstaben, die dem Inhalt Ausdruck verleihen.

Die Gestaltungslehre hat vor über 20 Jahren meine kreative Welt sehr sortiert. Sie ist für mich etwas paradiesisches. Allerdings finde ich dies in Büchern eher selten wieder. Und hier kommt die gute Nachricht: Wunderbar flechtet Chris Campe Basiswissen der Gestaltungslehre in ihr Buchwerk ein und wendet es konkret und detailreich auf die Schrift an. Obwohl ich zum Thema schon einiges intus habe, eröffnen sich mir hier neue Zusammenhänge. Ihr Tonfall ist persönlich, beschwingt und einladend. Ihre Formulierungen konkret und feinsinnig. Für Chris Campe ist Schriftgestaltung kein Geheimnis, um das man herumschleichen muss. Warum ich das erwähne? Weil es ja so viele Fachbücher gibt, die am Ende doch nicht verraten, wie man es jetzt aber wirklich macht. Oder sie überschütten einen mit Wissen, schrecken ab und lassen einen dann damit stehen.



Besonders gut gefällt mir an diesem modernen und zeitlosen Fachbuch, dass die Autorin ihre »eigene Sprache« spricht und aus dem Vollen schöpft. Denn Handlettering ist ihr Weg. Das Buch ist also nicht »nur« ein Projekt, sondern ein Konzentrat ihres bisherigen Schaffens und Denkens zum Thema. Hier wird nicht munter allgemeines Fachwissen zum x-ten Male neu aufgemacht. Im Lesefluss fühle ich mich nie gelangweilt. Und dabei ist es ein Fachbuch mit allem drum und dran! Es gibt freilich Ratschläge und Anleitungen, jedoch immer mit dem Ziel: selbstständiges Arbeiten zu fördern.

»Denn, wenn alles hervorgehoben wird, ist am Ende nichts mehr betont.«
(S. 34)

Die Autorin kann auch streng sein, sie macht das sehr freundlich und glasklar. An vielen Stellen spricht sie es direkt an, z.B. dass Schrift zwar aussehen kann wie wer will, dass man jedoch nicht vergessen sollte, dass Schrift nicht nur kreativer Ausdruck ist, sondern, dass etwas mit ihr ausgesagt werden möchte. Damit spricht sie allen Designern aus der Seele.


Zu Beginn des Buches werden die Begrifflichkeiten erklärt: Typografie, Kalligrafie, Handlettering – und da musste ich mir eingestehen, war ich bisher nie so genau. Spätestens ab Kapitel 2 ist der Leser mit den Buchstaben per du, denn hier kommen wir diesen sehr nahe. Es werden Begriffe aus der menschlichen Anatomie verwendet, um Konstruktion und Struktur darzulegen. Hier kommt auch ein Funke Geschichte ins Spiel und ganz wichtig, etwas über Parameter. Parameter? Dieses Buch verliert nie den Blick auf die praktische Anwendung und Abwandlung. Schließlich möchte es uns zum Konstruieren von Schrift per Hand aufmuntern. Wenn wir also nicht einfach nur bestehende Alphabete abkupfern möchten, ist es wichtig zu wissen, wo am Buchstabenkörper die Stellschrauben sitzen.


Das Buch begleitet uns also auf einem sehr spannenden Weg. Wenn wir wissen, wie Buchstaben ticken und was sie brauchen, um gut zu sein, können wir selbst kreativ sein und den Buchstaben etwas andichten. Ist es nicht ein schöner Gedanke, dass der Buchstabe zur Illustration wird? Er berichtet nicht nur über Inhalt, sondern er wird Teil des Inhaltes. Wir gestalten Schrift, die genau das auf dem Punkt bringt, was wir aussagen möchten. Und das nach allen Regeln der Kunst. Um diese Regeln zu brechen, muss ich sie kennen. Im Buch wird dies immer wieder mit Beispielen untermalt. Am wertvollsten dürften hier die »Adams & Evas« der Alphabete sein. Verschiedene ABCs, die uns als perfekte Ausgangsvariante oder Urversion ans Herz gelegt werden. Von diesen Schriften ausgehend lässt es sich gut schöpfen und gestalten. Wie, das wird genau beschrieben.

»Weißräume trennen Buchstaben, Wörter und Zeilen, sie verbinden sie aber auch.«
(S. 38)

»Schrift kommt von Schreiben«, so wird das 3 Kapitel eingeläutet, in dem es um »Brushpen Lettering« geht. In diesem Kapitel lernen wir alles, was wir brauchen, um modernes Brush Lettering zu betreiben. Wir befinden uns kurz vor der Mitte des Buches und erinnern uns, das Thema ist Handlettering, nicht Brush Lettering. Ja, das Buch holt weit aus, das stimmt, aber zu Recht. In welcher Verbindung das Schreiben per Pinsel zum Handlettering steht, wird freilich erklärt. Von der Pike auf, durchleben wir die Kunst des »Pinselgeschreibsel« über: Werkzeuge, Handhabungen, Grundstriche, Alphabet Vorlagen, Variationen, Verbindungen, Fehlersuche, Ausdruckskraft. Es ist sogar ein 21-Tage-Übungsplan im Buch enthalten, motivierend und narrativ eingebettet.


In hinteren Teil des Buches treffen nun diverse Handlungsstränge aufeinander. Und schnell wird klar, warum einige Kapitel vorgeschoben wurden, bevor es ans Eingemachte gehen konnte. Wie findet unsere Idee – das, was wir aussagen möchten – die richtige Form? Wo und wie und womit fange ich an? Schritt für Schritt geht es weiter: Zeichentechnik, Entwurfsprozess, Layout, Reinzeichnung und vieles mehr, Selbstkritik und Fehlersuche können auf dem Weg helfen. Wir finden Übungen und Praxisbeispiele. Der Leser erhält Einblick in komplexe Aufgaben und Seitengestaltungen, die über Lifestyle-Brushlettering weit hinaus gehen.

Ist nun klar, für wen das Buch gut ist? Ein schönes, ansehnliches Buch mit Griff. Ein Schinken also, nichts für die Hosentasche. Mir gefällt das Schinkenformat, da es wunderbar mit all meinen anderen Fachbuch Schinken wechselspielen kann. In diesem Fall liegt die Bezeichnung »Handbuch« – im wahrsten Sinne des Wortes – auf der Hand. Und man braucht, so wie ich finde, viele Handbücher und Fachbücher, um sich seinem Lieblingsthema zu nähern.



Chris Campe hat das Buch geschrieben und gestaltet, es ist aus einem Guss und klar gegliedert. Das Buch trägt zwar »Handlettering« im Titel, ist jedoch auch interessant für aktive und passive Liebhaber der Typografie, Kalligrafie, und Pinselgrafie. Auch Grafik-Designer dürften ihre Freude daran haben. Es eignet sich meiner Meinung nach sowohl für ein tiefes Schriftstudium, als auch für das gezielte Erlernen des Brush Letterings für die anstehende Weihnachtskarte. Oder sagen wir für die Osterkarte, somit würde das Buch auch unter dem Weihnachtsbaum sehr viel Sinn machen.

Ich freue mich über frischen Wind im Bücherregal!

Eure Tabea



Wie fand das Buch zu mir? Ich habe den Haupt Verlag angeschrieben und mein Interesse bekundet, woraufhin ich ein Rezensionsexemplar per Post erhalten habe. Vielen Dank!

Post-Kunst-Werk bei Steady

Postkunstwerk Postkarte ©tabeaheinicker
Während wir uns alle auf unseren Postkarten-Adventskalender vorbereiten und uns heute auf die erste Karte freuen, haben wir beide still und heimlich an einem anderen Projekt gewerkelt.
Als wir im Sommer mit dem Post-Kunst-Werk-Blog starteten, war uns klar, dass mit diesem Schritt viel Zeit und Arbeit verbunden ist. Der großer Zulauf zu den Post-Aktionen, eure Begeisterung, eure Bereitschaft, euch immer wieder auf unsere verrückten Ideen einzulassen, sowie eure viele Extra-Post bestätigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und ihr mehr wollt! Also grübelten wir lange darüber nach, wie sich dieses große Baby mitfinanzieren könnte.
Postkunstwerk Brief ©tabeaheinicker
Eins war uns wichtig, die Postkunst-Aktionen sollen weiterhin kostenfrei bleiben. Es wird keinen Teilnehmer-Beitrag geben! Auch fühlen wir uns nicht wohl bei dem Gedanken, dass wir euch voller Begeisterung zwischen den Zeilen Produkte anbieten und dafür von Firmen vergütet würden. Wir möchten unser Material und Werkzeug frei von Verpflichtungen und nur aus eigener Überzeugung zeigen. Wir verzichten also auf die Vermischung von Werbung/Sponsoring und redaktionellem Beitrag.
Postkunstwerk Paket ©tabeaheinicker
Nun haben wir eine angenehme Lösung gefunden und eingerichtet. Ab heute und sofort einsetzbar! Also lasst euch überraschen:
Ihr könnt uns abonieren! Jeder frei und fröhlich wie er mag und kann.

Ihr findet unser Post-Kunst-Werk nun bei »Steady«, einem Abo-Dienst, der sich darauf spezialisiert hat, freien Projekten – wie das unsere – zur Finanzierung zu verhelfen. Dort könnt ihr ein Abo aus 3 Preisklassen auswählen und abschließen. Das ganze ist sehr intuitiv und leicht händelbar. Schaut mal rein und überlegt, was unsere Arbeit euch wert ist. Wir freuen uns auf eure Unterstützung und sagen schon ganz herzlich Danke!

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Trockenübung: Graustreifen-Farbspiele

farbstreifen © post-kunst-werk
Papierstreifen, gerettet aus dem Buchbindeworkshop-Müll, ergänzt durch Streifen aus der Schnipselkiste: Perfekt für meine Trockenübung zur Adventspost, noch ganz in Novembergrau.
Die Papierschneidemaschine durfte noch ein paarmal wild draufloshacken und schon habe ich reichlich Farbstreifen-Spielmaterial.
farbstreifen © post-kunst-werk

Graugestreiftes in allen Tönen lässt sich so unterschiedlich kombinieren und sortieren. Wieviele Töne von Grau es gibt: wärmer und kühler, bläulicher und bräunlicher. Papierstrukturen und Bedruckungen der Streifen geben eine zusätzliche Dimension.

farbstreifen © post-kunst-werk
Die Papierstreifen machen unverbindliches Austesten möglich, zeigen wie die Farben wirken, von hell nach dunkel sortiert, oder abwechselnd gemischt.

farbstreifen © post-kunst-werk
Und ganz anders mit ein bischen Farbe: Warm und edel mit etwas Gelb.
farbstreifen © post-kunst-werk
Probeweise zugeschnitten aufs Postkartenformat, aber noch nicht festgeklebt.
farbstreifen © post-kunst-werk

Oder kühl und sachlich mit Blaustreifen?

farbstreifen © post-kunst-werk
Oder ein pinker Akkzent?
farbstreifen © post-kunst-werk
Oder noch mehr Pink? Wenn ich die passende Farbe als Papier nicht im Vorrat habe, werde ich mir einfach Papier anmalen, oder frisch bedrucken mit Streifen. Um Zwischenergebnisse festzuhalten empfiehlt sich ein schnelles Foto vor dem endgültigen Aufkleben.

farbstreifen © post-kunst-werk
Dies sind nicht meine Farben, so wird meine Adventspost nicht aussehen. Es ist nur eine Aufwärmübung, die hilft, Farbkombinationen zu finden, unverbindlich zu testen und spielerisch zur besten Lösung zu kommen. Keine Ahnung, wo ich diesmal lande? Hoffentlich ein wenig außerhalb meiner üblichen Blau-Grün-Schublade. Und ihr, habt ihr schon angefangen, eure Farben zu finden? Wie nähert ihr euch dem Thema an? Zeigt es in der Link-Liste, die seit dieser Woche schon geöffnet ist. Ich freue mich so auf den buntgestreiften Advent!

Eure Michaela