Wie schön, dass wir mit mehr als 60 Leuten am 13. Februar virtuell zusammen gesessen haben und schon viele Fragen rund um die Collagrafie klären konnten. Durch unsere gemeinsame Kompetenz sind viele Tipps und Tricks zusammen gekommen, die wir euch hier gesammelt zur Verfügung stellen.
Definition Collagrafie ist ein Druckverfahren, bei dem Materialien auf eine feste Platte aufgebracht werden und abgedruckt werden. Das Wort leitet sich vom griechischen Wort koll oder kolla ab, was Leim bedeutet, und graph, was schreiben/zeichnen bedeutet.
Druckstock Eine Platte, die in verschiedenen Techniken (Holzschnitt, Stempel, Radierung, Linoldruck, Collagrafie, …) gestaltet, mit Farbe eingewalzt und auf Papier abgedruckt wird.
Beschaffenheit Collagrafie Der Druckstock kann in der Oberflächengestaltung sehr unruhig werden und verschiedene Höhenniveaus haben, wenn verschiedene Materialien (Fäden, Reis, Pappe, Plastik, …) aufgeklebt werden. Hier kann auch in verschiedenen Lagen gearbeitet werden, also verschiedene Druckplatten verwendet werden.
Neben dem Aufbringen von Gegenständen kann auch etwas »abgenommen« werden. Durch Anritzen von Pappen, können Pappschichten partiell abgenommen oder freigelegt werden, um ein Motiv zu gestalten. Dann könnt ihr entscheiden, ob ihr im Hochdruck- oder im Tiefdruckverfahren arbeitet.
Hochdruck, Tiefdruck Beim Hochdruck (Linoldruck, Stempel, Holzschnitt) drucken die höher gelegenen Stellen der Druckplatte. Beim Tiefdruck (Kupferstich, Radierung) drucken die tiefer gelegenen Stellen. Hier wird die Platte erst komplett mit Farbe eingerieben, dann werden die höher liegenden Stellen wieder von der Farbe befreit.
Stabilisierung der Collagrafie Graupappe, Tetrapak, Pressspan, Buchdeckeln, Aktenordner als Untergrund-Platte, …
Lackierung Eine Lackierung macht den Druckstock haltbarer. Die Feuchtigkeit der Druckfarbe könnte sonst in den Druckstock ziehen und ihn aufweichen. Auch bei der Reinigung der Druckplatte mit Wasser kann die Platte leiden. Eine Lackierung kann ebenso dazu dienen, das Motiv zu gestalten. Zum Beispiel kann Druckfarbe an Leimstellen leichter wieder abgenommen werden, an dieser Stelle wird nicht oder nur blass gedruckt.
Welcher Lack? Acrylfirnis, Sprühlack, Schellack, Bootslack, Firnis, Acrylbinder, Matte Medium, Motch Potch (Serviertentechnik-Lack), probiert es aus …
Papier Es gibt im Fachhandel für verschiedene Drucktechniken verschiedene Papiere. Sehr dünnes Japanpapier nimmt Nuancen gut auf, kommt mit Feuchtigkeit gut klar und ist reißfest. Für den Tiefdruck gibt es spezielle Kupferdruckpapiere, Büttenpapiere. Papiere mit eher grober Struktur, wie Aquarellpapiere, könnten eher ungeeignet sein. Aber auch hier heißt es: Es kommt da drauf an, was ihr erzielen möchtet. Also verwendet gern Papier aus euren Lagern und testet.
Papierformat Gearbeitet wird auf einem Bogen DIN A3, der dann so gefalzt wird, dass DIN A4 im Hochformat entsteht. Hochformat bedeutet, die kurze Seite befindet sich unten. So entstehen 4 Seiten.
Papier anfeuchten? Beim Tiefdruck ist es üblich, das Papier anzufeuchten. Es wird dadurch weich und geschmeidig und ist perfekt vorbereitet für den Tiefdruck.
Druckfarbe Welche Farbe gut funktioniert, das hängt sehr vom Druckstock ab. Ihr könnt experimentieren. Vermutlich ist es bei Papier und Pappe lastigen Druckstöcken günstiger, eine weniger feuchte Farbe zu verwenden. Es gibt Buchdruckfarben (z. B. Buchdruckfarbe Gerstaecker) auf Wasserbasis, diese sind geschmeidig, zäh, langsam trocknend mit sehr guten Druckeigenschaften und nach dem Trocknen wasserfest. Linoldruckfarben trocknen langsam, dafür lassen sie sich aber auch gut und dünn verarbeiten mit gutem Druckergebnis. Acrylfarbe trocknet schneller. Ihr werden es testen müssen.
(Tipp: AKUA Intaglio Farben für Tiefdruck und Hochdruck)
Drucken mit und ohne Presse Beim Drucken ohne Presse ist es günstiger, das Papier auf den Druckstock zu legen. Bei Druckplatten mit starkem Relief mit den Händen sanft reiben, bei flachen Druckstöcken können auch Farb- und Gummiwalzen zum Einsatz kommen.
Wer in der Größe eine Tiefdruckpresse parat hat, kann gern experimentieren.
Auch mit einer Buchpresse kann gedruckt werden. Wenn eine Filzmatte untergelegt wird und das Papier angefeuchtet wird, könnte ein Tiefdruck gelingen. Testen!
Mischtechnik Die Collagrafie steht im Vordergrund. Kolorierung und Handschrift sind willkommen. Ihr könnt gern mit anderen Techniken kombinieren. Wer experimentieren möchte, wie die Gelli-Plate als Stempelkissen fungiert, kann dies tun.
Verarbeitung Ihr könnt die Bögen am Ende mit der einfachen Fadenheftung oder koptisch binden, oder in einer Sammelmappe sammeln. Die schönsten Drucke könnt ihr natürlich auch rahmen und aufhängen, oder ihr näht die Seiten zu einem Papierpatchwork zusammen, wie Tabeas Patchbrief in »Schöne Post«. Wir sind sehr gespannt, was alles entstehen wird. Liebe Grüße von Michaela und Tabea
Wir freuen uns sehr, dass die Sommerpost so toll gestartet ist und wir in kurzer Zeit schon so viele Anmeldungen erhalten haben. Mit den Anmeldungen kommen auch immer Fragen, also lasst uns alle Fragen klären. Wir wollen euch mit unseren Themen anregen und nicht einschränken. Deshalb definieren wir Rahmenbedingungen, um euch anzuregen, innerhalb dieser eure eigene Lösung zu finden.
Der Zackenrand
Der Zackenrand ist das typische einer Briefmarke. Wie kannst du eine selbstgemachte Briefmarte mit Zähnchen ausstatten? Es gibt Stanzer, aber wahrscheinlich nicht in unserem Format und es gibt Deko-Scheren mit unterschiedlichen Zacken. Mit dem Plotter kannst du dir einen Bogen mit Lochreihen im passenden Format ausschneiden lassen.
Die Datei dafür stellen wir euch gerne zur Verfügung: Hier findest du die Briefmarken zum Download als PDF, SVG und studio3-Datei. Wer es einfach mag, kann Papier auch reißen, sodass ein schöner Papierflausch am Rand entsteht.
Genauso gut kann der Zackenrand Teil deines Druckstocks sein, dann ist es ja auch nicht schlimm, wenn die Papierkante gerade ist. Oder du schneidest dein eigenes Zackenmuster ganz anders oder findest eine eigene interessante Lösung. Wir wollen gar nicht zu viel vorgeben.
Die Druckplatte
Die Druckplatte kann auch ganz unterschiedlich sein. Es gibt verschiedene Stempelmaterialien und Linolplatten, such dir dein Lieblingsmaterial (meins ist das blaue). Einige Materialien sind weicher, einige fester, dadurch werden die Schnitzereien und Drucke unterschiedlich.Vielleicht magst du dich auch der Herausforderung stellen und schnitzt in Holz? Finde deinen Weg.
Foto: Sven Gäbel
Das Schnitzen
Frau Gäbel, die wunderbar feine Stempel schnitzt und Stempel-Workshops gibt, hat diese Woche auf Instagram eine kleine Serie gestartet. Jeden Tag teilt sie einen ihrer persönlichen Tipps und Kniffe zum Stempelschnitzen mit Euch.
Das Format
Das Format der Briefmarke haben wir festgelegt. 50 x 70 mm im Querformat inklusive Zackenrand, aber niemand wird nachmessen. Die Marke präsentiert ihr am besten auf einem Postkartenformat Din A6 (148 x 105 mm) auch im Querformat, damit hinterher alles gut zusammenpasst. Vielleicht bindest du am Ende alles zu einem Büchlein, oder du rahmst dir die Marken mit den Postkarte ein? Dann ist es gut, wenn das Format stimmt. Aber niemand wird dich bestrafen, wenn du deinen ganz eigenen Weg gehst.
Ins Blaue
Ins Blaue ist unser Thema. Schwebt dir da eine konkrete Farbe vor Augen? Genau DIE und keine andere? Ein ganz bestimmter Ort? Oder ist dir eher nach einer vielschichtigen Blaunuancenpallette? Eine Farbwanderung durch alle Facetten von Blau. Wie empfindest du Blau? Fühlst du dich leicht und schwebst mit guter Laune oder bist du tiefgründig und auf Abenteuer aus? Wenn wir die Fantasie mit einpacken, dann ist Blau nicht »nur« eine Farbe, ein Ort und eine mentale Stimmung. Du kannst es auch fühlen! So richtig mit den Händen. Flüssig, cremig, pulvrig hinterlässt es Spuren. Trägt es auf oder sinkt es ein? Lass du dich ein und finde deine eigene Reise ins Blaue.
Mixmedia
Mixmedia ist eine wunderbare Technik, die besonders uns Postkünstlerinnen anspricht. Wir könnten alle bisherigen Techniken aus all den Postkunstprojekten anwenden, was freilich sehr viel Spielraum bietet. Mixmedia heißt, du kombinierst in einem Werk verschiedene Techniken, Materialien und Stile. Du kannst Zeichnen, Collagieren, Drucken und Färben. Such dir deine Lieblingsarbeitsweise aus oder konfrontiere dich mit Material, das dir noch fremd ist. Was eignet sich, um deinen Briefmarkenstempel gut in Szene zu setzen? Welche Schichten könnten deinem Motiv als Bühne dienen? Was ist typisch für dich? Gebe deiner Postkunst deinen persönlichen Stempel mit auf dem Weg.
Die Karte
Die Karte kann eine bescheidene Trägerin sein, die sich zurücknimmt und deine Briefmarke einbettet. Oder sie kann eine wilde, einnehmende, fantastische Bühne sein, die deine Briefmarke umtanzt und dramatisch in Szene setzt. Überlege dir genau, wo deine kleine blaue Geschichte stattfinden möchte. Beschränkt sie sich auf die Marke oder nutzt du den Raum der Karte, um deine Kreativreise größer zu spinnen? Damit am Ende alle Briefmarken und Karten zusammenpassen, lege sowohl Briefmarke als auch Karte im Querformat an.
Ihr habt noch bis Sonntag Zeit, euch für die Sommerpost 2020 anzumelden. Allen Teilnehmerinnen wünschen wir Vorfreude und einen kreativen und freundlichen Austausch!Eure Michaela und Tabea
Habt ihr es schon mitbekommen? Habt ihr es geahnt? Einige Eingeweihte wussten Bescheid, auch einige unserer Post-Kunst-Freundinnen, denn sie sind Teil dieses Projekts. Wir haben ein Buch geschrieben! Gerade sind wir in den allerletzten Zügen, bevor es in den Druck geht und jetzt endlich dürfen wir öffentlich darüber reden. Im September erscheint im Haupt Verlag unser gemeinsames Buch »Schöne Post Papeterie gestalten, mit Handschrift spielen, Postkunst austauschen«
Michaela: Wenn ich etwas nicht gut kann, dann ist das Geheimnisse bewahren. Ich bin halt ein ehrlicher Mensch. Deshalb fällt es mir extrem schwer, nicht über das zu reden, was mich gerade beschäftigt.
Tabea: Oh ja, das stimmt. Seit über einem Jahr planen, gestalten, fotografieren und schreiben wir an diesem Buch und es kam mir seltsam vor, nicht darüber zu sprechen. Dafür waren wir beide um so mehr im Kontakt. Täglich haben wir uns ausgetauscht, Fragen gestellt und beantwortet, Aufgaben hin und her geschoben, Seite um Seite gefüllt. Wir nennen unser Erfolgskonzept »Ping-Pong«. So machen wir es seit Jahren schon für die Postkunst. Eine von uns beiden wirft (pingt) eine Idee in den Raum und die andere spinnt sie weiter und pongt zurück. Weil das schon so lange so gut klappt, hatten wir vor Jahren bereits die Idee, ein Buch zu schreiben. Es sollte irgendwie mit kreativer Post zu tun haben.
Ein Blick in die Anfänge: Inhalte und Kapitel bestimmen und sie dann auf 200 Seiten verteilen. Ich habe Michaela ein paar Mal besucht, um Basisfragen zu klären. Die Buchkapitel haben wir aufgeteilt. So mussten wir beide nicht in alle Themen eintauchen und haben uns die Arbeit geteilt.
Michaela: Diese Fotos hier sind nun ziemlich genau ein Jahr alt, man erkennt es an der Pfingstrose. Am letzten Maiwochenende 2019 haben wir in meinem Studio die erste intensive Arbeitseinheit eingelegt. Damals war ich gleichzeitig in der letzten Korrektur-und Abgabephase von »Stoff trifft Papier«, Buchüberschneidung, ganz schön anstrengend.
Vor einem Jahr gab es schon viele Ideen und eine grobe Kapitelstruktur. Das Gestaltungsraster, Farben, Schriften, Satzspiegel haben wir gemeinsam festgelegt und dann jede für sich gefüllt. Auch wenn für mich nun Buch Nummer drei war, habe ich sehr sehr viel gelernt. Tabea und ich ergänzen uns in unseren unterschiedlichen Arbeitsweisen sehr gut. Bei mir geht es oft schnell, und etwas huschi fuschi, Tabea tüftelt viel intensiver an den Feinheiten des Designs, ist kritischer und detailverliebter. Ich bin echt gespannt, ob ihr das unseren Seiten und Projekten im Buch ansehen könnt.
Ein Brief von Michaela an mich in den Dünen von Terschelling. Auch wenn dieses Foto nicht im Buch vorkommt, war es für mich der Startpunkt dieses Projekts.
Während der Arbeit an dem Buch ist ganz viel Post zwischen Bergisch Gladbach und Geringswalde hin und her geflogen, die teilweise ihren Platz im Buch gefunden hat. Schon in den Osterferien 2019 erreichte uns die postive Rückmeldung des Haupt-Verlags, dass sie das »Briefbuch« – so war der Arbeitstitel – mit uns realisieren wollen.
Michaela: Eigentlich wusste ich es schon aus der Arbeit an »Bunte Bücher«, aber trotzdem kam uns wieder die dunkle Jahreszeit in die Quere, in der es nur ganz eingeschränkte Fotozeitfenster gibt.
Tabea: Und ja, vieles was ich gemacht habe … waren lebensbereichernde Umwege. Ehrlich gesagt müsste ich für ein weiteres Buch umziehen, so ungünstig ist das Licht in meinem Atelier. Arbeitsschritte fotografieren, das geht nur jetzt auf der Stelle, so mitten im Prozess. Da immer auf Schönwetter zu warten, das ging leider nicht.
Auch ich bin gespannt, ob das Konzept von unseren zwei Herangehensweisen und Sprachen funktioniert. Liebe Leserinnen, wir freuen uns über euren Eindruck!
Für das Buch habe ich mich intensiv mit Tusche und dem Mischen beschäftigt. Ich bin begeistert, ein Gewinn für mich selbst. Ich fühle mich nun im Element.
Ich fand es sehr aufregend, die Kapitel des Buches zu bestimmen. Nicht nur inhaltlich, auch im Ablauf. In welcher Reihenfolge macht welches Thema Sinn? Bauen die Themen aufeinander auf? Von Anfang an war klar, dass es unsere sehr spezielle Sicht auf das Thema ist. Und schnell stellte sich heraus, dass wir auf altes Material aus vergangenen Post-Kunst-Aktionen verzichten. Alle Fotos und Projekte wurden eigenst für das Buch gestaltet. Unsere Briefexponate sind echt.
Ein Brief-Exponat im Buch muss vieles können: Eine Technik veranschaulichen, dem Thema des Kapitels gerecht werden, ein Brief mit authentischem Inhalt an eine echte Person sein und gleichzeitig öffentlichkeitstauglich, einerseits inspirierend und andererseits jedoch nicht zu ausgefeilt und künstlerisch.
So, ihr Lieben, wir könnten natürlich noch so einiges aus dem Nähkästchen plauschen – für heute reicht das als Einblick. Es dauert ja noch ein Weilchen bis wir das Buch in den Händen halten können. Wir genießen nun den Sommer und zum Herbst haben wir dann ein schönes Buch voller Ideen. Die gute Nachricht (ich wiederhole mich): Ihr könnt das Buch bereits jetzt bei der Buchhändlerin eures Vertrauens vorbestellen.
Die Frühlingspost kann starten, heute flattern eure Listen in die Mail-Postfächer. Habt ihr schon angefangen, eure Flora und Fauna zu entwerfen? Vielleicht schon die Stoffe rausgesucht und die ersten Schablonen geschnitten? Wir freuen uns, wenn ihr experimentiert und euren Weg findet. Da einige Fragen aufkamen, teile ich hier gerne noch ein paar Tipps zu Technik und Material, denn schließlich ist diese Technik meine absolute Lieblingsdruck-Technik.
Schablonen
Deine Entwürfe kannst du aus unterschiedlichen Materialien ausschneiden. Ich nehme meist einfache Overheadfolie, die kannst du auf den Entwurf legen, mit Folienstift durchzeichnen und mit dem Skalpell ausschneiden. Der große Vorteil der stabilen Folie ist ihre Haltbarkeit, sie verschiebt sich wenig beim Druck. Leichter schneiden kannst du dünneres Material: Tyvek habe ich gerade entdeckt und zeige es in meinem Blogpost von Mittwoch. Auch Freezerpapier, ein kunststoffbeschichtetes Papier funktioniert gut, das Papier kann man auf den Stoff aufbügeln und rückstandslos wieder abziehen. Erst einmal ausprobiert habe ich Steinpapier, das ist ein papierartiges, wasserfestes, stabiles Material. Die erste Schablone hielt leider nur fünf Drucke, vielleicht waren die Stege zu dünn. Natürlich können die Schablonen auch aus Pappe sein, diese weicht nach einiger Zeit durch. Deshalb sind Milchtüten auch eine gute Alternative. Schneiden kannst du deine Schablonen mit einem scharfen Skalpell oder auch mit dem Plotter, wenn du einen hast. Achte beim Schneiden darauf, dass die Schablonen rundum einen breiten Rand haben, damit du nicht versehentlich über den Rand druckst.
Die Schablone aus Steinpapier hielt bei mir nicht lang
Druck
Ich drucke im Schablonendruck am liebsten mit einer weichen Schaumstoff-Farbrolle aus dem Baumarkt, die Farbe mischt sich beim Rollen, der Farbauftrag geht flott und wird gleichmäßig. Die Schablone muss dabei immer mit der anderen Hand festgehalten werden oder bei größeren feinen Motiven von der Rückseite leicht mit wiederablösbaren Sprühkleber fixiert werden. Natürlich kannst du auch mit einem Schwämmchen oder Stupspinsel die Farbe durch die Löcher in der Schablone tupfen, dadurch entstehen andere Strukturen und die Ränder werden nicht so scharfkantig. Auch Sprühen kann man die Farbe, dabei bleibt aber viel Farbe auf den Schablonen. Auch für den Siebdruck können Schablonen genutzt werden, das ist aber eigentlich eine andere Technik, die aufwendiger ist, aber auch vielfältigere Möglichkeiten bietet (hatten wir schon mal vor ein paar Jahren).
Farben (enthält Werbung)
Für den Textildruck nutzt du am besten bügelfixierbare Textildruckfarbe. Die Farben dürfen nicht zu dünnflüssig sein, damit sie nicht unter die Schablonen rutschen. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit Dekaprint-Siebdruck-Farben gemacht. Im Jeromin-Shop gibt es eine große Auswahl an unterschiedlichen Druckfarben. Achtet darauf, ob die Farben auch für dunkle Untergründe geeignet sind und deckend drucken.
Ganz frisch getestet habe ich die neuen Siebdruckfarben von Alles für Selbermacher, die sind sehr schön dickflüssig und deckend, sehr gut auch für den puren Schablonendruck ohne Sieb geeignet. (nur leider schon so schnell ausverkauft.) Die Farben trocknen sehr langsam, was für den Siebdruck wichtig ist, für den Schablonendruck nicht so sehr.
Normale Acrylfarben für Papier werden zu fest auf Stoff. Es gibt auch ein Medium, das man mit normalen Acrylfarben mischen kann, um sie bügelfixierbar und weicher zu machen. Das habe ich allerdings noch nicht getestet. Flüssige Farben eignen sich nur für die Sprüh-Technik.
Stoffe
Baumwolle, Leinen, Omis Bettwäsche, Webware in allen Varianten, möglichst aus Naturfasern eignen sich zum Bedrucken. Nehmt keinen elastischen Stoff und keine offensichtlichen Plastikstoffe. Der Stoff sollte nicht rein weiß sein. Entweder ihr benutzt einen farbigen Stoff oder färbt ihn vorher ein. Bitte den Stoff vorher waschen, damit er später nicht einläuft und die Farbe besser aufnimmt. Und nach dem Druck gut trockenen lassen und fixieren.
Michaela: Diese Woche war ich Einkaufen, Papier-Einkaufen, das macht mir viel mehr Spaß als Klamotten-Kaufen. Zum Glück brauche ich ja für meine Workshops immer reichlich Material und darf so von Zeit zu Zeit die Vorräte wieder auffüllen. Gerne hätte ich dich mit genommen zum Einkaufen, Tabea, aber leider bist du zu weit weg. Also zeige ich dir meine Einkäufe und wir plauschen ein bisschen über unsere Lieblingspapiere.
Tabea: Da wäre ich gern dabei gewesen! Obwohl ich Papier auch gerne einkaufe, tue ich dies seit Jahren eher selten. Ich lebe in einem alten Grafiker- und Künstlerhaus, welches ein großes Papiererbe birgt. Ich bin immer wieder entzückt, wenn sich zwischen dem vielen Müll, wunderbare Papierbestände auftun. Shoppinglaune kommt bei mir jetzt trotzdem auf … die DDR lässt grüßen!
Michaela: Das Papier ist ja der Hammer! Das Motiv hätte ich gerne als Stempel! Zum Bedrucken, egal ob mit Stempeln, Schablonen oder Siebdruck nutze ich am liebsten farbige Papiere. Somit habe ich schon einen Grundfarbton und kann durch die Druckfarben einen schönen Farbklang erzeugen. Diesmal habe ich mir einige Büttenpapiere mitgenommen Bugra Bütten in Graublau und grünlich und dazu ein zartgrünes Ingres Papier. Ich mag die raue Oberfläche und die gerippte Struktur des Papiers und nutze die Papiere gerne für Bucheinbände. Das grünliche Papier habe ich schon für die Frühlingspost eingekauft … Psst!
Tabea: Wenn ich das so sehe, ist Shopping doch ganz praktisch. Man bekommt genau das Papier, das man gern hätte ;o) Conqueror verwende ich oft als Vorsatzpapier. Die gerippte Oberflächenstruktur sieht so edel und klassisch aus. Man möchte es immer streicheln und betätscheln. Ebenso begeistert mich die sanfte Farbauswahl, die es gibt. Meist haben sogar kleine Läden Farben im Sortiment, die mir gefallen. Die geerbte Schublade voll mit Bütten und Ingrespapiere habe ich selbstverständlich zuerst überfallen. Ich denke jedoch, für die Frühlingspost ist noch was übrig. Die meisten meiner Postkunst-Arbeiten entstanden auf/aus unserem »Papier des Hauses«. In diesem Haus lebte früher mein Schwieva, ein Grafiker, Künstler und Papiermessi.
Besonders gern habe ich Ingres Abreißblöcke. Jedes Papier darin hat eine andere Farbe. Fürs freie und schnelle Arbeiten perfekt, weil die Blöcke handlich sind. Sie sind schnell aus dem Regal gezogen und man kann gleich loslegen.
Tabea: Zum Bücherbinden verwende ich gern ein Papier namens »F-Color«, welches ich vor 18 Jahren bei einem Buchbinder in Weimar gekauft habe. Es war mein »Abschluss-Einkauf«, mit dem ich dann in den Zug gestiegen bin, um nie wieder nach Weimar in den Laden zu kommen. Daher habe ich nur noch ein paar Bögen in meinem Bestand. Das Papier ist extra zum Bucheinbinden gedacht. Es ist dünn und trotzdem sehr belastbar und kann gut Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Besonders ist, dass dieses Papier eine außergewöhnliche Grauauswahl hat. Die 4 Bücher sind damals für meine Diplomarbeit entstanden …
Tabea: Neulich habe ich schöne Buchbindepapierreste in einer Kartonagenwerkstatt geschenkt bekommen. Vielleicht ist es auch »Color«-Papier, denn ich weiß, dass es dies mit vielen verschiedenen Oberflächenbeschaffenheiten gibt. Leinenstrukturen, Rinde, Holzeffekt wird per Papier imitiert. Aber das ist schon Luxus, denn in normalen Bastelläden liegt das nicht gerade herum.
Michaela: Das sieht aus wie »Efalin« oder »Surbalin«. Damit arbeite ich auch gerne. Durch eine freundliche Spende im vergangenen Jahr habe ich auch noch große Vorräte an verschiedenen Einbandpapieren in unterschiedlichen Oberflächenstrukturen. Davon muss ich in der nächsten Zeit nochmal einige Portionen von den Rollen abschneiden und gepresst liegen lassen, denn sie sind durch lange gerollte Lagerung kaum noch glatt zu bekommen. Ein Papiervertreter erzählte mir letztens, dass die Papierfirmen besondere Schneidemaschinen haben, die das »Rollengedächtnis« des Papiers brechen, das funktioniert wohl über Hitze, sehr spannend.
Michaela: Neben diesen edlen Papieren nutze ich auch ganz gerne einfache Pack-und Verpackungspapiere. So hebe ich meist die braunen Papiere, in die die feinen Bütten eingerollt werden genauso auf, schneide sie auf passende Formate und nutze sie zum Drucken und Buchbinden. Auch einfaches Tonpapier und Fotokarton, die es ja auch in schönen Farbtönen gibt, nutze ich für meine Drucke.
Tabea: Ja, das ist bei mir ähnlich. Ich verwende alle Papier, die mir handhabbar erscheinen. Im letzten Jahr haben wir sehr große Vorkommen von Papierproben im ehemaligen Atelier entdeckt. Viele der Proben waren im Din-Format und ich habe meinen Kalender daraus gebunden. Das war ein Traum, fast jede Seite war aus einem anderen, wunderbaren Papier. Faszinierend all die farblichen Abstufungen im Weißbereich, die sogar im Anschnitt zur Geltung kommen.
Tabea: Vielleicht lohnt es sich, bei Druckereien vor Ort, mal nachzufragen. Wobei man ehrlich sagen muss, dass die Papiervielfalt sehr eingeschränkt wurde. Unser Bedürfnis nach günstigen Druckpreisen zwingt die Druckereien, pragmatisch und kostengünstig mit Papier zu arbeiten. Sie kaufen in großen Mengen eine kleine Auswahl an Papier, welches mainstreamtauglich ist.
Michaela: Weißes Papier brauche ich natürlich auch. Für die Innenseiten meiner Bücher nutze ich sehr gerne ein günstiges Universal-Zeichenpapier, das einem Werkdruck-Papier sehr ähnlich ist. Es hat nur ein Flächengewicht von 70 g/m2 (zum Vergleich: einfaches Kopierpapier hat meist 80 g/m2), aber es hat ein sehr hohes Volumen, fühlt sich also dicker an, ist naturweiß und hat eine leicht raue Oberfläche, auf die man gut zeichnen oder schreiben kann.
Tabea: Das ist ja mal ein Tipp! Werd ich ausprobieren. Ich wollte dich schon lange mal fragen, welches Papier du für deine Buchblöcke verwendest. Ich nehm auch gern gutes aber erschwingliches Papier, dicke Papierblöcke wie diesen hier. Ich zeichne und aquarelliere ja gern mal in meine Skizzenbücher, da ist ein etwas schwereres Volumenpapier perfekt geeignet.
Michaela: Ja, das ist ja das gleiche Papier, nur in stärker, in höherer Grammatur, wie der Fachmann sagt. Auch auf der dünneren Variante arbeite ich manchmal mit Wasser.
Tabea: Habe ich noch nicht bemerkt, dass es das Papier auch in dünner gibt. Sehr lustig. – Mein diesjähriger Kalender hat ein Volumen sondergleichen. Ich habe Aquarellpapier verwendet, auch aus unserem DDR-Bestand. Es ist eher selten, dass ein Aquarellpapier dünn ist und gleichzeitig von beiden Seiten verwendbar. Ich war also entzückt, als ich es entdeckte. Gerissenes Papier kann im Anschnitt sehr schön haptisch sein. Man sollte aber wirklich genau überprüfen, ob sich ein Papier für ein bestimmtes Vorhaben auch eignet. Hier war es grenzwertig, denn das Buch möchte nun immer sehr gern zuschlagen, wenn es eigentlich offen vor mir liegen sollte.
Tabea: Es gibt für nahezu jede Technik spezielles Papier. Ich bin nun nicht so der Typ, der da von sich aus eine riesen Papiersammlung eröffnet hätte. Ich hatte viele Jahre besagten dicken Block (s. o.) für alles Mögliche im Gebrauch. Durch die Papierauswahl hier im Haus konnte ich es mal ausprobieren. Ja, manchmal macht es Sinn, sich genau das richtige Papier zu zulegen.
Zum Drucken eignet sich zum Beispiel dieses hauchdünne Papier wunderbar. Dadurch, dass das Papier so dünn ist, kann man es sehr gut an den Druckstock reiben und der Abdruck wird sehr scharf und genau. Seht ihr, es hat so kleine Fädchen auf der Oberfläche. Ich vermute, es bekommt dadurch Stabilität. Denn, wenn man das Papier vom Druckstock löst (Monotypie, Linoldruck, Holzdruck), muss es schon etwas aushalten. Druckfarbe kann ganz schön beharrlich zwischen Papier und Druckstock »kleben«.
Michaela: Ach, das war aber fein, mit dir durch deine Papiervorräte zu stöbern. Wir sollten noch betonen, dies ist keine Werbung, wir werden für die Links nicht bezahlt! Und vielleicht habt ihr Postkünstlerinnen ja auch ganz besondere Papiervorlieben und Bezugsquellen, lasst es uns wissen!
Tabea: Ja, alle Empfehlungen sind selbst erprobt und vielleicht inspirieren sie euch ja. Wir könnten jetzt wohl noch eine Weile weiterplaudern. Da wir bei jeder Postkunst Papier verwenden, war dieses Gespräch echt mal nötig. Ich konnte einiges lernen und würde gern noch mehr. Ich bin gespannt auf eure Kommentare …