DIE GANZ BESONDERE VERLOSUNG 2021

172 Mitglieder hat das Post-Kunst-Werk! Wir sind sehr stolz und auch dankbar, dass unsere kreative Runde so groß ist und dass ihr unsere Arbeit unterstützt. Einmal im Jahr organisieren wir eine Verlosung für unsere Abonnentinnen, einfach aus Freude und als kleines Dankeschön. Diejenigen, die das Kulturpaket gebucht haben sind dreimal im Lostopf, die mit dem Wertbrief zweimal und die Postkarten Abos einmal. Ihr müsst nichts weiter tun, alles passiert automatisch.

Wer schon länger darüber nachdenkt, ein Steady Abo abzuschließen: Jetzt ist DIE Gelegenheit dazu, denn die Verlosung ist erst am Montagg. Du kannst noch in den Lostopf springen, indem du uns unterstützt. Für alle, die das noch nicht wissen: Die Postkunst-Aktionen sind kostenlos, aber ihr könnt uns über einen freiwilligen monatlichen Beitrag unterstützen und unsere Arbeit möglich machen. Hier geht es zu Steady.

Wir konnten den Haupt Verlag als Sponsor für drei wunderbare Bücher gewinnen. Ausgesucht haben wir die Bücher »wild gefärbt«, »Gelliprint« und »Papier marmorieren« . Zudem gibt es einen kreativen Gutschein von artlaboratorium. Die Produkte haben wir auf Anfrage kostenfrei erhalten. Abgerundet werden die drei Päckchen mit einer Tatier-Grafik von Tabea und zwei kleinen Postkarten-Schachteln von Michaela.

Preis 1

Selbstverständlich musste das neue Buch »Gelliprint« unserer lieben Kolleginnen Katrin Klink und Sabine Ickler mit in den Lostopf! Passend dazu gibt es einen 35 Euro Gutschein. Eingelöst kann dieser auf der Kreativ-Plattform www.artlaboratorium.de von Katrin und Sabine werden. Dort findet ihr Online- und Live-Workshops.

Preis2

Sieht dieser Stapel auf dem Titel von »Wild gefärbt« nicht aus, wie unsere handgeschöpfte Sommerpost? In diesem Buch geht es darum, Stoffe mit Pflanzen zu färben. Dabei liegt ein Postkarten-Schachtel von Michaela, gefüllt mit selbstgestalteten Karten: perfekt für die winterliche Korrespondenz. Und auch hier darf ein Tatier-Kärtchen nicht fehlen …

Preis 3

Marmorieren ist eine wunderschöne Technik zum Gestalten von Musterpapieren. Daher fiel uns gleich dieses gut gemachte und visuell sehr ansprechende Buch ins Auge! Inklusive Postkarten-Schachtel und Tatier … und nun endlich werfen wir mal einen Blick in so eine Schachtel, die Michaela gestaltet hat:

Wir wünschen euch viel Glück und den Glücklichen dann später viel Freude am Gewinn. Liebe Grüße. Tabea und Michaela

Kreative Lektüre – Das Wesen der Pflanze von Helen & William Bynum

»Das Wesen der Pflanze – Botanische Skizzenbücher aus sechs Jahrhunderten« von Helen & William Bynum ist im Frühjahr 2018 im Haupt Verlag erschienen: 296 Seiten • 275 Farbillustrationen • ca. 27 x 21 cm • 49,00 Euro


»Was du nicht gezeichnet hast, hast du nicht gesehen.« Seite 10


Ich liebe Skizzenbücher, denn mit diesen erhält man einen guten Eindruck von persönlichen Zeichenstilen. Zudem hat die Skizze für mich schon immer etwas Besonderes an sich. Sie interessiert mich viel mehr, als das fertige Werk. Skizzen sind dynamisch und lebendig, sie haben Duktus. Kennt ihr das, dass besonders die ersten Entwürfe und Skizzen einer Idee besonders kraftvoll und intensiv sind?

So wusste ich gleich, dass mich dieses Buch, welches im Frühjahr erschien, begeistern könnte. Ich bekundete mein Interesse beim Haupt Verlag und eines Tages lag ein großes, schweres, hochwertiges Buch in meinem Briefkasten. Schon beim ersten Blättern, zwischen all den Blumen, war klar: JA – ein wunderbares Buch! Liebevoll gestaltet und produziert, reich an Illustrationen, gut gegliederter Text, übersichtliche Kapitel, eine ausgetüftelte Typografie, die ganz leicht daherkommt. Ein Buch, in das ich gern meine Nase stecke.


»John James lenkte sich durch das Zeichnen ab, als er von Piraten gefangen wurde.« Seite 258


Besonders gut gelungen sind die Abbildungen der Skizzenbücher, Notizhefte und Zettel mit den botanischen Zeichnungen. Die dargestellten Bücher werden samt der floralen Schätzen als Objekt dargestellt, so dass der Leser einen guten Eindruck der einzelnen Werke erhält. Handelt es sich um Bücher, um lose Blättersammlungen oder liebevoll zusammengeklebte Collagen? Die Beschaffenheit der vergilbten Papiere, Risse, Flecken und Flicken spricht für sich. Die Zeichnungen wurden gebraucht, kamen mit auf Reise, in den Garten, auf den Spaziergang und in den Hörsaal.

Die Arbeiten werden vom 15. bis zum 20. Jahrhundert chronologisch präsentiert. Lange Zeit hatten botanische Zeichnungen (jenseits der Fotografie) die Funktion, das Gesehene und Entdeckte festzuhalten und im Detail zu erfassen, sei es aus künstlerischen oder wissenschaftlichen Gründen. Oder auch aus Freude am Zeichnen, zum Sammeln und Austauschen. Es gab noch viel zu entdecken und in den Buchläden waren erschwingliche und reichbebilderte Fachbücher noch nicht vorhanden.

Im Vorwort habe ich gelernt, woher der Begriff »Skizze« stammt. Unfassbar modern, ihr würdet euch wundern, wie nah diese Deutung am heutigen Mainstream liegt. Man könnte meinen, hier werden Visual Thinking und Mark Making beschrieben. Auch erfahren wir, was die botanische Skizze ausmacht und das es in diesem Buch um die Vielfalt der darstellerischen Möglichkeiten geht. Die Arbeiten berichten vom Duktus und Können der jeweiligen Zeichner. Von spontanen und leichtfüßigen Skizzen bis zu detaillierten und sehr aufwendigen Arbeiten, ist alles dabei. Die Werke nehme sehr viel Raum ein, sie stehen in diesem Buch im Vordergrund. Die Urheber (bekannte Künstler, Hobbyzeichner, Wissenschaftler, Amateure und Abenteurer) werden stets im engen Zusammenhang mit ihrem zeichnerischen Werk vorgestellt.


»Therese förderte das Talent der Söhne, indem sie sie die Werke des Vaters kopieren ließ.« Seite 146


Vier große Kapitel (Im Feld, Wissenschaftler, Künstler, Ein angenehmer Zeitvertreib) gliedern das Buch und viele Unterkapitel gehen weiter in die Tiefe. Die Sortierung leuchtet ein, so erfahren wir zum Beispiel im ersten Kapitel »Im Feld« etwas über Abenteurer, Sammler, Botanik als Nebentätigkeit und Im Auftrag der Macht. Pro Kapitel werden ca. 7 Schaffende aus unterschiedlichen Jahrhunderten vorgestellt. Visuell unterstützt wird diese Gliederung durch eine übersichtliche Gestaltung. Schrift und Farbe helfen sich beim Blättern zu orientieren (das Buch ist immerhin ein Wälzer). Ein lebender Kolumnentitel (Links neben der Seitenzahl steht der Name des übergeordneten Kapitels, auf der rechten Seite steht das Unterkapitel) dient uns als Kompass und grüne Kapitel-Auftakt-Seiten setzen Akzente.

Wer Interesse an Handschriften hat, wird sich sehr über die persönlichen Notizen und Beschriftungen freuen, die viele Zeichnungen bereichern. Sie sind mit Bleistift oder Tusche, manchmal mit Schreibmaschine, tagebuchartig neben den Pflanzenzeichnungen platziert. Die Handschriften stehen kreuz und quer, vereinzelt oder im Fluss – immer ästhetisch und eigen. Sicher wurden die Blätter teilweise nach und nach ergänzt, dann auch mit verschiedenen Schreibgeräten. Diese Nichtperfektion macht den Reiz und die Schönheit der Arbeiten aus. Das Entdecken und Erforschen fand Stück für Stück statt und die Zeichnung erzählt von dieser Herangehensweise.

Die Handschriften geben nicht nur Aufschluss über Pflanzennamen, Pflanzenteile, Fundort und Zeit, sondern beschreiben oft auch den Zustand der Pflanze in verschiedenen Jahreszeiten oder Wetterlagen. Manch ein Zeichner geht sogar so gründlich vor, dass er die Pflanze in kurzen Zeitabständen, nach dem Erblühen bis zum schnellen Verwelken in Wort und Bild darstellt. Schön sind die aufschlussreichen Fußnoten der Illustrationen und die kurzweiligen Biografien. Jedem Künstler, Wissenschaftler, Abenteurer wurden je zwei Doppelseiten gewidmet. Diese Biografien (einseitig) sind sehr spannend geschrieben und es ist überraschend, wie viele unterschiedliche Lebensgeschichten zur Lust und Notwendigkeit des Zeichnens führten.

Diese wunderschöne Zeichnung (s. oben) ist von William Burchell. Mein Gestaltungslehre Lehrer sagte früher gern »Das ist ein schönes Blatt!« als höchstes Lob, wenn auf jenem Blatt alles Gute zusammenkam. Eine ausgeglichene Verteilung, persönliche Spuren, Narration, Beschriftung und Inhalt, bzw. die visuelle Lösung der gestellten Aufgabe. Kurz: Eine optisch runde Geschichte. Da geht es nicht nur um Sauberkeit und perfektes Handwerk, sondern darum, ob dieses Blatt in Ganzem zu einem spricht. Dieses Buch dokumentiert mit Flecken, unterschiedlichen Papierfarben, das Durchschimmern von Rückseiten, Klebestellen, Rückständen durch Archivierungsmethoden, Handschriften mit Charakter und Spuren von Alter.


»Colonna beschloss, die Pflanzen, mit denen seine Krankheit behandelt wurde, exakt zu bestimmen, denn er glaubte, dieses Wissen sei verloren gegangen.« Seite 127


Nun könnte ich noch stundenlang aus dem Nähkästchen plaudern, allein dass sich William Burchell in Afrika seinen Reisewagen in ein Atelier umbauen ließ oder Richard Dreyer, der bereits gedruckte und nicht illustrierte Pflanzenbücher mit komplexen, botanisch korrekten Zeichnungen (s. unten) versah. Verrückt und wunderschön! Erwähnen möchte ich noch, dass auch einige Frauen vertreten sind. Zum Beispiel Helen Faulkner, die ihre Pflanzen an Orten sammelte, die auf keiner Karte verzeichnet waren, daher beschrieb sie den Weg dorthin und ließ sich noch im Alter von 88 Jahren von Lastwagenfahrern mitnehmen, um Pflanzen sammeln zu können.

Doch lest selbst ;o) Es gibt in diesem Buch über 80 solcher Lebensgeschichten!

Also ein Buch für Menschen, die Bücher lieben und sich an Lebensgeschichten erfreuen, die mit dem Zeichnen, Dokumentieren und Forschen rund um das Florale verknüpft sind. Eine »Kreative Lektüre« zum Genießen und Zurücklehnen. Für aktive Zeichner und Zeichnerinnen sicher auch eine Möglichkeit mal wieder über die eigene Arbeit nachzudenken. Rückblicke in eigener Sache sind interessant, was könnte ich wieder aufgreifen, vertiefen oder sogar als künstlerisches Projekt weiterspinnen, veröffentlichen, teilen? Setzt eure persönliche Handschrift ein! Die unterschiedlichen Zeichenstile im Buch, verdeutlichen etwas, was in Instagram Zeiten (perfektioniertes Handwerk und Lifestyle) aus dem Blick geraten kann, nämlich dem eigenen Stil und Thema mutig Raum und Entfaltung zu lassen, unabhängig davon, ob dies viele Herzchen oder Follower bringt.

Im Falle, ihr denkt nun, ach die Tabea ist leicht zu begeistern, die ist ja immer so Feuer und Flamme über jedes Buch – nein, so ist das nicht. In »Kreative Lektüre« dürfen nur ganz besonders Bücher Platz nehmen. Es handelt sich um Bücher, bei denen mir auch nicht die geringste Idee einer Verbesserung einfällt. Hier stimmt alles: Thema, Form, Gestaltung, Haptik und schließlich dir Möglichkeit an diesem Buch zu wachsen. Also kurz: Dies ist ein besonders Buch und ich kann es sehr empfehlen! Legt es unter den Weihnachtsbaum! Ich lege es zu seinesgleichen in mein Regal:


Wie das Buch zu mir fand: Ich bekundete mein Interesse beim Haupt Verlag über das Buch zu berichten – unter anderem mit einem Herzchen auf Instagram. Und ein paar Tage später lag es in meinem Briefkasten. Vielen Dank!

Kreative Lektüre – Werners Nomenklatur der Farben von P. Syme

»Werners Nomenklatur der Farben – angepasst an Zoologie, Botanik, Chemie, Mineralogie, Anatomie und die Kunst« von P. Syme ist im Sommer 2018 im Haupt Verlag erschienen: 80 Seiten – 13,5 x 22,5 cm groß – Leinen – durchgehend farbige Abbildungen – 22,00 Euro


»Wenn sich eine Farbe leicht einer anderen annähert, sagt man, sie lehnt sich an.« Seite 14


Mit »Werners Nomenklatur der Farben« erschien 1814 erstmals ein System zur Klassifizierung von Farben und galt als »nützliche Errungenschaft«. Dies in einer Zeit, in der weder die Fotografie noch schnelle Drucktechniken als Dokumentations- und Vervielfältigungshilfen zur Verfügung standen. Für Wissenschaftler und Künstler gab es bisher kein verlässliches und allgemein gültiges Farbsystem, mit dem man hätte Natur oder Kunst beschreiben können. Unvorstellbar für uns aus heutiger Sicht.

Der Farbratgeber, der 110 Farben umfasste, fand rege Anwendung. Durch zusätzliche Angaben, die im Buch genauer beschrieben werden, können die »Hauptfarben« bis auf 30.000 Töne variiert werden. Wissenschaftliche Beschreibungen konnten nun sehr konkret in Worte gefasst werden. Ausdrucksvoll und nachvollziehbar auch ohne kolorierte Zeichnungen. Persönliche, unverbindliche Auffassungen von Farben, wichen den konkreten Benennungen der Farbtabellen. Unter anderem reiste das Buch mit Charles Darwin über die Meere.


»Wie unzulänglich muss daher eine Beschreibung sein, wenn die verwendeten Begriffe uneindeutig sind und es keinen Standard gibt, auf den es sich zu beziehen gilt.« Seite 6


Das Büchlein liefert nicht nur Farbtafeln mit sehr konkreten und teilweise poetisch klingenden Namen. Es macht das Problem der fehlenden Vereinbarung bezüglich des Umganges mit Farben sichtbar und stellt die Lösung, samt Anwendungsbeispielen mit dazu. Es zelebriert das Mischen der speziellen Farben auf der jeweils linken Seite des Buches. Für mich liest sich das wie ein Gedicht.

Das kleine handliche Buch, im wertigen Hardcover-Leinengewand, ist dem Original in Ästhetik und Form angeglichen. Ein sehr sorgfältig und gut gemachtes Buch. Es besteht vorwiegend aus den Farbtabellen, sortiert in Farbgruppen. Sehr viel verraten vom Inhalt im vorderen Teil, kann ich euch hier nicht. Es ist zwar nicht viel Text, dafür aber sehr interessant und einleuchtend. Diese Ausgabe ist die erste, die in Deutscher Sprache erscheint und stellt somit eine Besonderheit dar. Die alten Tabellen wurden übersetzt und angeglichen, ohne das die ursprüngliche Schönheit verloren ging. Die Farbplättchen wurden nicht restauriert, sondern so dargestellt, wie die überlieferten Tafeln. Wir dürfen das Werk nicht mit einem Pantone-Fächer verwechseln.


»Dieses Merkmal kann auch vorteilhaft genutzt werden, um eine wahre Vorstellung der Farbveränderungen zu geben, die die Pflanzen durch Kultivierung oder durch Entfernung aus ihrem natürlichen Boden und Klima durchlaufen.« Seite 22


Drucktechnisch wurde das alte Papier der Erstausgabe nachempfunden

Mich hat Werners Nomenklatur gedanklich sehr angeregt. Als Designerin bevorzugte ich bisher das von Küppers beschriebene CMYK Farbsystem. Dieses kommt recht sachlich daher und bietet keinen Raum für die Farbe als »Individuum«. Denn so sehe ich es nun, eine Farbe, die »Aurikelviolett«, »Entengrün« oder »Schokoladenrot« heißt, hat ein Gesicht und trägt ihre Geschichte – im Namen erkennbar – mit.

So hat mich diese Lektüre wieder daran erinnert, dass es sinnvoll ist, ein Thema von allen Seiten zu beleuchten. Und wie wichtig es ist, über unseren überladenen Tellerrand zu blicken. Zum Beispiel in die Vergangenheit, in der so spannende Ereignisse, wie die Entdeckung der Fähigkeiten von Farbe liegt – um wiederentdeckt zu werden. Es ist mir eine Freude, die Nomenklatur in mein Regal zu klemmen und mich der Theorie der Farbe in Zukunft mit anderen Augen zu zuwenden. Ich gehe davon aus, dass es keinen Kreativen gibt, der dieses Buch nicht haben sollte.


Wie das Büchlein zu mir fand: Ich bekundete mein Interesse, über das Buch zu berichten – unter anderem mit einem Herzchen auf Instagram. Und ein paar Tage später lag es in meinem Briefkasten. Vielen Dank!