Frühlingspost Finissage 2022

Unserer erste Postkunst Aktion des Jahres ist vorbei. Zum Abschluss möchten wir noch mal so richtig in der Frühlingspost versinken und schwärmen. Es war eine besondere Aktion, denn unsere Steady Mitglieder haben zum ersten Mal mitbestimmt, wie wir dieses Projekt gestalten. Es war schön, euch miteinzubeziehen und sich auf etwas Neues einzulassen. Toll, es haben sich 246 Kreative auf unser Thema »Gedankengarten« eingelassen. Die Rahmenbedingungen waren nicht leicht, immerhin wollte ein kleines Büchlein gefüllt werden und das mit einem so persönlichem Thema!

Riwa @riwafarbwelten

Tabea: Gerade habe ich alle Gedankengärten, die mich erreicht haben, in ein kleines altes Schränkchen gepackt. Die Maße der Regale sind wie maßgeschneidert für die Leporello-Büchlein. Wie man an den Buchrücken erkennen kann, Grün dominiert und ist für viele DER Farbraum, um das Thema Gedankengarten zu visualisieren.

An dieser Stelle möchte ich mich noch mal herzlich bedanken für all die lieben Sonderpöste! Es war wieder sehr schön zu sehen, wie sich eure Arbeiten entwickelt haben, was ihr über Social-Media geteilt und geteasert habt und welche Gespräche entstanden sind.

Michaela: Ja, ich bedanke mich auch von ganzem Herzen und bin immer ganz beseelt, wenn ich fast täglich wunderschöne Umschläge aus dem Kasten hole und das Auspacken zelebriere. Die Post sichten und in Ruhe auspacken, mache ich übrigens am liebsten in der Mittagspause im Garten. Und ich muss dir direkt wiedersprechen, Tabea, in meiner Sammlung ist auch ganz viel lila-blau, auch wenn mein eigener Gedankengarten grün ist, guck mal:

Tabea: Ja, du hast Recht, ein bisschen Blau-Lila ist auch dabei, zu meiner Freude. Eine Augenweide allein die Buchrücken zu untersuchen. All die unterschiedlichen Bindetechniken und Farben im Anschnitt! Diese Entscheidung ist übrigens in unserem Steady-Mitglieder-Zoom-Meeting gefallen. Das die Leporellos frei entfaltbar sein sollen, sich jedoch jede Teilnehmerin individuell Bindetechnik und Schließmechanismus ausdenken kann. Michaela, wo hast du deine Post abgelegt? Und hast du schon eine Idee, wie du sie archivierst?

Michaela: So ein tolles Schränkchen habe ich nicht. Bei mir wohnen die Büchlein zunächst in einer Pappkiste, die ich mit Frühlingspapier beklebt habe. Mit Abschluss der Aktion werde ich sie mit ins Studio nehmen und dort ausstellen. Meine Kursteilnehmerinnen freuen sich immer zwischendurch die Postkunst-Schätze zu sichten. Vielleicht bekommen die Büchlein auch noch ein neues Zuhause, das ich auch an die Wand hängen kann, wie das Bücherhaus aus der Frühlingspost 2017, weißt du noch?

Tabea: Das finde ich narürlich besonders toll, wenn die Bücher in deinem Studio landen und von deinen Kursteilnehmerinnen noch gewürdigt werden können! Zumal diese Post was besonderes war.

Auch wenn die Post nun mal von Tauben gebracht wird und der Vogel ein schönes Symbol für den Frühling ist, gab es noch einen anderen Grund, dass Vögel und Tauben in diesem Jahr so präsent waren. Die globalen Ereignisse haben uns beschäftigt. Es war unmöglich, sich nicht entsprechend zu fühlen und zu äußern. Für viele Teilnehmerinnen war es anfangs nicht leicht, in die Kreativität einzutauchen. Es schien zu banal eigene künstlerische Gedanken zu visualisieren, während wir in Gedanken bei den vielen Menschen waren, bei denen es um so viel mehr ging, nämlich um ihr Leben, ihre Kultur, ihre Städte. In einigen Arbeiten sehen wir die Auseinandersetzung mit diesen Themen. Es gibt Friedenstauben, Friedenswünsche und Arbeiten, die die Thematik transformieren. Es ist gut, dass wir da so unterschiedlich herangehen und am Ende jede von uns den eigenen Weg gefunden hat.

Gestaltung von Geli Czerny @Geli1o1

Michaela: Oh ja, das hat uns alle sehr beschäft und beschwert. Bei vielen schimmerten die schweren Gedanken durch. Annette hat es sehr schön gelöst, zunächst die Begriffe, die ihr durch den Kopf gingen aufgedruckt und mit schönen kraftvollen Blumen übermalt. Eine tolle Lösung, sich auseinandersetzen und die Gedanken in eine andere Richtung drehen!

Foto: @buntistschön

Michaela: Komplett verzaubert hat mich auch die Umsetzung von Angelika mit gestempelten Friedenstauben.

Gedankenklang im Gedankengarten, passt ja auch zu gut!

Tabea: Vögel waren schon mal Thema bei der Postkunst, eben weil sie ein Symbol für Freiheit sind und sich wunderbar für das grafische und illustrative Arbeiten eignen. Der Freiheitsgedanke passte sehr gut zum Thema »Gedankengarten«. Und die gefundenen Motive fanden sich dann auch auf den Umschlägen wieder. Die Umschläge wurden so schön beschriftet und in vielen Leporellos konnten sich die Buchstaben fein entwickeln. Der beste Weg sich mit Schrift auseinanderzusetzen, ist, Schrift inhaltlich passend anzuwenden.

Lea Theimer @kreativ.kiste

Michaela: Ja, die Schrift war ein großes Thema, das war ja dein Wunsch! Hast du die tollen Büchlein von Ela gesehen, die nur mit den Namen und Schrift gespielt hat? In diesem Blogpost hat sie ausführlich darüber berichtet. Ich liebe mein kleines M-Büchlein!

Foto: papiergemetzel

Ich glaube, diese Postkunst ist deswegen so besonders gelungen, weil alle in ihrer Lieblingstechnik arbeiten konnten. So gibt es das ganze Spektrum von Holzschnitt, Aquarell, Gelliprint über Collage bis hin zur Batik. Aus der Komfortzone haben wir die Teilnehmerinnen nur dann gelockt, wenn es darum ging, die Bücher mit Inhalt zu füllen, was vielen leicht fiel und andere stärker herausgefordert hat.

Michaela: Bei mir liegen die Umschläge jetzt auf einem Haufen. Ich werde sie als Collagematerial verwenden. Sehr praktisch ist dafür der #smallartfinder von Angela, der in ihrem wunderschönen Päckchen lag. Ihre Schachtel habe die beiliegenden Briefe und Karten dieser Aktion gepackt und werde sie mit den Büchlein archivieren.

Michaela: Meine eigenen Kräuter-Büchlein hatte ich ja letzte Woche schon auf meinem Blog gezeigt. Für mich war die Arbeit daran wirklich eine runde Sache. Wie ist es bei dir gelaufen?

Tabea: Ich bin aufgeblüht und eskaliert.

Tabea: Mit den Farben zu arbeiten und sie zu schichten, zu kämmen und zu kombinieren hat für mich therapeutische Qualitäten. Es war am Ende etwas viel, da meine Bücher sehr narrativ sind und jede Menge Tuschezeichnungen entstanden sind. Es war schön, ein paar Figuren aus meinen Tagebüchern herauszulassen. Ich habe geschrieben, getuscht und gekleckst. In Serie arbeite ich sehr gern und jedes Heft hat seinen eigenen Charme, trotz gleicher Geschichte. Ich glaube, es ist mir noch nie so schwergefallen, sie in die Post zugeben. Auch aus Furcht, sie könnten auf Postwegen verloren gehen. Sind sie aber zum Glück nicht.

Tabea: Ich bemerke gerade, in der ersten Reihe oben bei meinen Titeln kann man gut die Entwicklung der Kalligrafie erkennen. Ich gestalte sehr aus dem Bauch heraus und verändere innerhalb der Serie manche Dinge so lange, bis sie rund sind. Es war richtig die Technik frei zulassen, wie du es oben beschrieben hast, Michaela. Besonders bei einem so persönlichen Thema.

Michaela: Und wie gehts weiter? Nach der Frühlingspost ist vor der Sommerpost. Diese beiden Aktionen liegen zeitlich nah beiander und wir sind natürlich schon mittendrin in der Planung. Nur als kleiner Teaser: Wir bleiben im Garten!

Zeigt uns gern auf Instagram, was ihr mit eurer Gartensammlung nun macht.

Wir melden uns dann bei euch, wenn es weiter geht und wünschen euch bis dahin alles Gute

Michaela und Tabea