Simone: Wie meine Frühlingspost entstanden ist.

Walzendruck © Simone Maurer
Foto: Simone Maurer

Diesen unglaublich faszinierenden Druck mit dem Endlosgedicht aus der Schweiz habt ihr bestimmt schon auf einigen Blogs gesehen … und genau wie wir darüber gerätselt, wie er wohl entstanden ist. Simone hat keinen Blog, uns jetzt aber die Enstehungsgeschichte ihrer Drucke geschickt, die uns staunen lässt. Schaut mal:

Simone schreibt:

Mit viel Freude und Elan habe ich meine Idee zur Frühlingspost 2018 umgesetzt. Vielleicht interessiert es euch ja auch, wie mein „Maa mit em hohle Zah“-Druck entstanden ist.

Walzendruck © Simone Maurer
Foto: Simone Maurer

Zuerst hab ich den Text in der richtigen Grösse ausgedruckt. Dann hab ich die Buchstaben mit Bleistift nachgezogen und spiegelverkehrt auf die Platte übertragen. Danach konnte ich mit dem Schnitzen beginnen. 

Walzendruck © Simone Maurer
Foto: Simone Maurer

Dann machte ich einen ersten Druckversuch und freute mich riesig. ich dachte mir, dass ich die Platte nur noch um das Nudelholz wickle und dann kann ich drucken… 

Walzendruck © Simone Maurer
Foto: Simone Maurer

Doch das hat gar nicht geklappt. Die Platte war viel zu steif und liess sich nicht um das Holz biegen. So hab ich schweren Herzens die Platte in die einzelnen Linien geschnitten und sie dann um ein Tischbein aus dem Baumarkt geklebt.

Walzendruck © Simone Maurer
Foto: Simone Maurer

 

Walzendruck © Simone Maurer
Foto: Simone Maurer

 

Walzendruck © Simone Maurer
Foto: Simone Maurer

Das Resultat war ok, aber die Linien dazwischen haben mich schon von Anfang an gestört. So habe ich einige Nächte darüber gehirnt, wie ich das besser hin kriegen könnte und plötzlich sind mir die Farbwalzen in den Sinn gekommen, die sollten doch genau die richtige Konsistenz haben. 

Walzendruck © Simone Maurer
Foto: Simone Maurer

Weil sie doch recht teuer sind, hab ich zuerst mal mit einer kleinen versucht und weil ich fast keine Geduld hatte, hab ich einfach direkt drauf geschrieben, ein Lied aus dem Kindergarten, das man auch unendlich singen kann.

Walzendruck © Simone Maurer
Foto: Simone Maurer

dies hat mir gezeigt, dass es funktionieren wird…

Walzendruck © Simone Maurer
Foto: Simone Maurer

So habe ich mich aufgerafft, die ganze Schnitzerei nochmals von vorne zu beginnen, diesmal direkt auf die Rolle. Es war einfach zu schnitzen und weil ich den Ausdruck hatte, waren die Abstände automatisch richtig… Ja, so ist dieser Druck entstanden und es werden sicher noch einige in dieser Art folgen!

Walzendruck © Simone Maurer
Foto: Simone Maurer

 

Walzendruck © Simone Maurer
Foto: Simone Maurer

Ursula: Wie meine Frühlingspost entstanden ist…

Walzendruck ©Ursula Ziegler
Foto: Ursula Ziegler
Letzte Woche erreichte uns eine Mail von Ursula mit Bildern ihrer Frühlingspost. Da kam die Idee auf, diesen schönen Entstehungsprozess nicht nur der Gruppe 8 zu zeigen, sondern der ganzen Welt. Deshalb rufen wir hiermit alle bloglosen Postkünstlerinnen auf: Schickt uns Fotos euer Werke und ein wenig Text dazu, dann können wir sie an dieser Stelle veröffentlichen.
Ursula schreibt:
 

Liebe Postkunstwerklerinnen der Gruppe 8,

meine gewalzten Blätter werden wahrscheinlich inzwischen bei Euch angekommen sein.
Hier nun ein kleiner Einblick in meine Werkelei:

Walzendruck ©Ursula Ziegler
Foto: Ursula Ziegler

Zuerst habe ich verschiedene Walzen hergestellt, d.h. in Schaumstoffröhren mit dem Lötkolben einfache Muster eingebrannt, dann verschiedene Motive aus Moosgummi ausgeschnitten und auf Fusselrollen geklebt bzw. die restlichen Schaumstoffrollen beklebt. Mit den Schaumstoffrollen wurden die Papiere in sanftem Morgentau grundiert, darauf dann petrolfarbene Blätter gewalzt. Wenn man es mal raus hatte, wie es funktioniert, ging das alles relativ flott von der Hand und die 10 Blätter waren schnell fertig.

Erst danach habe ich mit anderen Farben und Mustern gewalzt und weitere schöne Papiere sind entstanden. Daraus habe ich Euch jeweils ein kleines Päckchen zusammengestellt und mitgeschickt. Mit dem „Postkunst-Dank“ von Tabea und Michaela bekam ich auch so ein Musterpäckchen und fand das so eine tolle Idee!!

Walzendruck ©Ursula Ziegler
Foto: Ursula Ziegler
Jetzt freue ich mich auf die nächsten Frühlingspostkunstwerke und grüße Euch herzlich
Ursula

Frühlingsboten – Eine Postaktion mit dem Haupt Verlag

Mittendrin in der Frühlingspost dürfen wir euch heute noch eine zusätzliche Post-Kunst-Aktion vorstellen, die wir zusammen mit dem Haupt Verlag starten. Hüpft mal ganz schnell rüber zum Haupt Magazin, da sind wir heute zu Gast. Wir stellen zwei nagelneue Bücher vor, zeigen, wozu uns die Bücher inspiriert haben und fordern euch auf:

Verschickt selbstgemachte Karten und gewinnt dabei herrliche Bücher, wie findet ihr das?

Alle Infos findet ihr hier.  Wir freuen uns auf eure Post! #hauptfrühlingsboten

Papierplausch

Papierplausch ©post-kunst-werk

Michaela: Diese Woche war ich Einkaufen, Papier-Einkaufen, das macht mir viel mehr Spaß als Klamotten-Kaufen. Zum Glück brauche ich ja für meine Workshops immer reichlich Material und darf so von Zeit zu Zeit die Vorräte wieder auffüllen. Gerne hätte ich dich mit genommen zum Einkaufen, Tabea, aber leider bist du zu weit weg. Also zeige ich dir meine Einkäufe und wir plauschen ein bisschen über unsere Lieblingspapiere.

Tabea: Da wäre ich gern dabei gewesen! Obwohl ich Papier auch gerne einkaufe, tue ich dies seit Jahren eher selten. Ich lebe in einem alten Grafiker- und Künstlerhaus, welches ein großes Papiererbe birgt. Ich bin immer wieder entzückt, wenn sich zwischen dem vielen Müll, wunderbare Papierbestände auftun. Shoppinglaune kommt bei mir jetzt trotzdem auf … die DDR lässt grüßen!

Papierplausch ©post-kunst-werk

Michaela: Das Papier ist ja der Hammer! Das Motiv hätte ich gerne als Stempel!
Zum Bedrucken, egal ob mit Stempeln, Schablonen oder Siebdruck nutze ich am liebsten farbige Papiere. Somit habe ich schon einen Grundfarbton und kann durch die Druckfarben einen schönen Farbklang erzeugen. Diesmal habe ich mir einige Büttenpapiere mitgenommen Bugra Bütten in Graublau und grünlich und dazu ein zartgrünes Ingres Papier. Ich mag die raue Oberfläche und die gerippte Struktur des Papiers und nutze die Papiere gerne für Bucheinbände.
Das grünliche Papier habe ich schon für die Frühlingspost eingekauft … Psst!

Papierplausch ©post-kunst-werk

Tabea: Wenn ich das so sehe, ist Shopping doch ganz praktisch. Man bekommt genau das Papier, das man gern hätte ;o) Conqueror verwende ich oft als Vorsatzpapier. Die gerippte Oberflächenstruktur sieht so edel und klassisch aus. Man möchte es immer streicheln und betätscheln. Ebenso begeistert mich die sanfte Farbauswahl, die es gibt. Meist haben sogar kleine Läden Farben im Sortiment, die mir gefallen. Die geerbte Schublade voll mit Bütten und Ingrespapiere habe ich selbstverständlich zuerst überfallen. Ich denke jedoch, für die Frühlingspost ist noch was übrig. Die meisten meiner Postkunst-Arbeiten entstanden auf unserem »Papier des Hauses«.

Besonders gern habe ich Ingres Abreißblöcke. Jedes Papier darin hat eine andere Farbe. Fürs freie und schnelle Arbeiten perfekt, weil die Blöcke handlich sind. Sie sind schnell aus dem Regal gezogen und man kann gleich loslegen.

Papierplausch ©post-kunst-werk
Papierplausch ©post-kunst-werk
Papierplausch ©post-kunst-werk

Tabea: Zum Bücherbinden verwende ich gern ein Papier namens »F-Color«, welches ich vor 18 Jahren bei einem Buchbinder in Weimar gekauft habe. Es war mein »Abschluss-Einkauf«, mit dem ich dann in den Zug gestiegen bin, um nie wieder nach Weimar in den Laden zu kommen. Daher habe ich nur noch ein paar Bögen in meinem Bestand. Das Papier ist extra zum Bucheinbinden gedacht. Es ist dünn und trotzdem sehr belastbar und kann gut Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Besonders ist, dass dieses Papier eine außergewöhnliche Grauauswahl hat. Die 4 Bücher sind damals für meine Diplomarbeit entstanden …

Papierplausch ©post-kunst-werk

Neulich haben wir schöne Buchbindepapierreste in einer Kartonagenwerkstatt geschenkt bekommen. Vielleicht ist es auch »Color«-Papier, denn ich weiß, dass es dies mit vielen verschiedenen Oberflächenbeschaffenheiten gibt. Leinenstrukturen, Rinde, Holzeffekt wird per Papier imitiert.

Papierplausch ©post-kunst-werk

Aber das ist schon Luxus, denn in normalen Bastelläden liegt das nicht gerade herum. 

Michaela: Das sieht aus wie »Efalin« oder »Surbalin«. Damit arbeite ich auch gerne. Durch eine freundliche Spende im vergangenen Jahr habe ich auch noch große Vorräte an verschiedenen Einbandpapieren in unterschiedlichen Oberflächenstrukturen. Davon muss ich in der nächsten Zeit nochmal einige Portionen von den Rollen abschneiden und gepresst liegen lassen, denn sie sind durch lange gerollte Lagerung kaum noch glatt zu bekommen. Ein Papiervertreter erzählte mir letztens, dass die Papierfirmen besondere Schneidemaschinen haben, die das »Rollengedächtnis« des Papiers brechen, das funktioniert wohl über Hitze, sehr spannend.

Papierplausch ©post-kunst-werk

Papierplausch ©post-kunst-werk

Neben diesen edlen Papieren nutze ich auch ganz gerne einfache Pack-und Verpackungspapiere. So hebe ich meist die braunen Papiere, in die die feinen Bütten eingerollt werden genauso auf, schneide sie auf passende Formate und nutze sie zum Drucken und Buchbinden. Auch einfaches Tonpapier und Fotokarton, die es ja auch in schönen Farbtönen gibt, nutze ich für meine Drucke.

Tabea: Ja, das ist bei mir ähnlich. Ich verwende alle Papier, die mir handhabbar erscheinen. Im letzten Jahr haben wir sehr große Vorkommen von Papierproben im ehemaligen Atelier entdeckt. Viele der Proben waren im Din-Format und ich habe meinen Kalender daraus gebunden. Das war ein Traum, fast jede Seite war aus einem anderen, wunderbaren Papier. Faszinierend all die farblichen Abstufungen im Weißbereich, die sogar im Anschnitt zur Geltung kommen.

Papierplausch ©post-kunst-werk

Vielleicht lohnt es sich, bei Druckereien vor Ort, mal nachzufragen. Wobei man ehrlich sagen muss, dass die Papiervielfalt sehr eingeschränkt wurde. Unser Bedürfnis nach günstigen Druckpreisen zwingt die Druckereien, pragmatisch und kostengünstig mit Papier zu arbeiten. Sie kaufen in großen Mengen eine kleine Auswahl an Papier, welches mainstreamtauglich ist. 

Papierplausch ©post-kunst-werk
Papierplausch ©post-kunst-werk

Michaela: Weißes Papier brauche ich natürlich auch. Für die Innenseiten meiner Bücher nutze ich sehr gerne ein günstiges Universal-Zeichenpapier, das einem Werkdruck-Papier sehr ähnlich ist. Es hat nur ein Flächengewicht von 70 g/m2 (zum Vergleich: einfaches Kopierpapier hat meist 80 g/m2), aber es hat ein sehr hohes Volumen, fühlt sich also dicker an, ist naturweiß und hat eine leicht raue Oberfläche, auf die man gut zeichnen oder schreiben kann.  

Papierplausch ©post-kunst-werk
Tabea: Das ist ja mal ein Tipp! Werd ich ausprobieren. Ich wollte dich schon lange mal fragen, welches Papier du für deine Buchblöcke verwendest. Ich nehm auch gern gutes aber erschwingliches Papier, dicke Papierblöcke wie diesen hier. Ich zeichne und aquarelliere ja gern mal in meine Skizzenbücher, da ist ein etwas schwereres Volumenpapier perfekt geeignet.

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Michaela: Ja, das ist ja das gleiche Papier, nur in stärker, in höherer Grammatur, wie der Fachmann sagt. Auch auf der dünneren Variante arbeite ich manchmal mit Wasser.

Tabea: Habe ich noch nicht bemerkt, dass es das Papier auch in dünner gibt. Sehr lustig. – Mein diesjähriger Kalender hat ein Volumen sondergleichen. Ich habe Aquarellpapier verwendet, auch aus unserem DDR-Bestand. Es ist eher selten, dass ein Aquarellpapier dünn ist und gleichzeitig von beiden Seiten verwendbar. Ich war also entzückt, als ich es entdeckte. Gerissenes Papier kann im Anschnitt sehr schön haptisch sein. Man sollte aber wirklich genau überprüfen, ob sich ein Papier für ein bestimmtes Vorhaben auch eignet. Hier war es grenzwertig, denn das Buch möchte nun immer sehr gern zuschlagen, wenn es eigentlich offen vor mir liegen sollte.

Papierplausch ©post-kunst-werk

Es gibt für nahezu jede Technik spezielles Papier. Ich bin nun nicht so der Typ, der da von sich aus eine riesen Papiersammlung eröffnet hätte. Ich hatte viele Jahre besagten dicken Block (s. o.) für alles Mögliche im Gebrauch. Durch die Papierauswahl hier im Haus konnte ich es mal ausprobieren. Ja, manchmal macht es Sinn, sich genau das richtige Papier zu zulegen.

Zum Drucken eignet sich zum Beispiel dieses hauchdünne Papier wunderbar. Dadurch, dass das Papier so dünn ist, kann man es sehr gut an den Druckstock reiben und der Abdruck wird sehr scharf und genau. Seht ihr, es hat so kleine Fädchen auf der Oberfläche. Ich vermute, es bekommt dadurch Stabilität. Denn, wenn man das Papier vom Druckstock löst (Monotypie, Linoldruck, Holzdruck), muss es schon etwas aushalten. Druckfarbe kann ganz schön beharrlich zwischen Papier und Druckstock »kleben«. 

Papierplausch ©post-kunst-werk
Michaela: Ach, das war aber fein, mit dir durch deine Papiervorräte zu stöbern. Wir sollten noch betonen, dies ist keine Werbung, wir werden für die Links nicht bezahlt! Und vielleicht habt ihr Postkünstlerinnen ja auch ganz besondere Papiervorlieben und Bezugsquellen, lasst es uns wissen!

 Tabea: Ja, alle Empfehlungen sind selbst erprobt und vielleicht inspirieren sie euch ja. Wir könnten jetzt wohl noch eine Weile weiterplaudern. Da wir bei jeder Postkunst Papier verwenden, war dieses Gespräch echt mal nötig. Ich konnte einiges lernen und würde gern noch mehr. Ich bin gespannt auf eure Kommentare …

Eure Tabea und Michaela